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The Hydrogen AG

Wasserstoff-Lexikon

Dieses Lexikon erklärt zentrale Begriffe rund um Wasserstoff verständlich und praxisnah – von den Wasserstofffarben über Herstellung, Speicherung und Transport bis zu Brennstoffzellen, Wirkungsgrad und Anwendungen.

Die Farben des Wasserstoffs

Die Farben beschreiben nicht das Aussehen des farblosen Gases, sondern kennzeichnen vereinfacht den Herstellungsweg und die damit verbundene Klimawirkung.

Grauer Wasserstoff

Grauer Wasserstoff wird überwiegend durch Dampfreformierung aus Erdgas hergestellt. Das entstehende CO₂ wird in die Atmosphäre abgegeben. Dadurch verursacht diese Herstellungsart erhebliche Treibhausgasemissionen.

Blauer Wasserstoff

Blauer Wasserstoff wird meist wie grauer Wasserstoff aus Erdgas hergestellt. Ein großer Teil des entstehenden CO₂ wird jedoch abgeschieden und gespeichert oder weiterverwendet. Die tatsächliche Klimabilanz hängt unter anderem von der Abscheiderate und Methanemissionen ab.

Grüner Wasserstoff

Grüner Wasserstoff entsteht durch Elektrolyse von Wasser mit Strom aus erneuerbaren Energien. Während der Herstellung entstehen grundsätzlich keine direkten CO₂-Emissionen.

Türkiser Wasserstoff

Türkiser Wasserstoff entsteht durch Methanpyrolyse. Dabei wird Methan thermisch in Wasserstoff und festen Kohlenstoff aufgespalten. Die Klimabilanz ist besonders günstig, wenn erneuerbare Energie eingesetzt und der Kohlenstoff dauerhaft gebunden wird.

Weißer Wasserstoff

Weißer Wasserstoff wird auch natürlicher oder geologischer Wasserstoff genannt. Er entsteht durch natürliche Prozesse im Untergrund und kann aus geeigneten Lagerstätten gefördert werden.

Goldener Wasserstoff

Goldener Wasserstoff bezeichnet Wasserstoff, der durch innovative Verfahren mit sehr geringer oder negativer CO₂-Bilanz hergestellt wird. Der Begriff ist bislang nicht international normiert und wird unterschiedlich verwendet, beispielsweise für besonders nachhaltige Herstellungsverfahren oder natürlichen Wasserstoff.Hierzu zählt nach Darstellung der The Hydrogen AG auch deren Wasserstoff, da er zu 100 % CO₂-neutral hergestellt werden soll.

Pinker oder violetter Wasserstoff

Dieser Wasserstoff wird durch Elektrolyse erzeugt, wobei der Strom aus Kernenergie stammt. Je nach Begriffsverwendung kann auch Prozesswärme aus Kernkraftwerken einbezogen werden.

Roter Wasserstoff

Roter Wasserstoff wird meist mit Verfahren verbunden, die Kernenergie und insbesondere hohe Prozesstemperaturen zur Wasserstoffherstellung nutzen. Die Abgrenzung zu pinkem oder violettem Wasserstoff ist nicht einheitlich.

Orangener Wasserstoff

Je nach Quelle bezeichnet orangener Wasserstoff die Gewinnung aus Abfällen, Reststoffen oder biogenen Ausgangsstoffen. Da der Begriff nicht einheitlich definiert ist, sollte das konkrete Herstellungsverfahren stets mitgenannt werden.

Brauner oder schwarzer Wasserstoff

Diese Bezeichnungen stehen für Wasserstoff aus Braun- beziehungsweise Steinkohle. Ohne CO₂-Abscheidung entstehen dabei besonders hohe Treibhausgasemissionen.

Gelber Wasserstoff

Gelber Wasserstoff bezeichnet häufig Wasserstoff aus Elektrolyse mit Solarstrom. Teilweise wird der Begriff auch für Elektrolyse mit Netzstrom verwendet und ist daher nicht eindeutig.

Natürlicher oder geologischer Wasserstoff

Dieser Wasserstoff entsteht ohne technische Herstellung in Gesteinsschichten und Lagerstätten. Er wird häufig dem weißen Wasserstoff zugerechnet. Förderung, Aufbereitung und Transport bestimmen seine gesamte Klimabilanz.

Speicherung von Wasserstoff

Wasserstoff besitzt bezogen auf seine Masse einen hohen Energieinhalt, benötigt jedoch wegen seiner geringen Dichte geeignete Speicherverfahren.

Druckgasspeicherung

Gasförmiger Wasserstoff wird in druckfesten Behältern gespeichert, häufig bei 350 oder 700 bar. Das Verfahren ist technisch etabliert, benötigt jedoch Energie für die Verdichtung.

Flüssigwasserstoff

Wasserstoff wird auf etwa −253 °C abgekühlt und verflüssigt. Dadurch steigt die volumetrische Energiedichte. Kühlung, Isolierung und Verdampfungsverluste erhöhen jedoch den Aufwand.

Metallhydride und Feststoffspeicher

Bestimmte Materialien können Wasserstoff chemisch oder physikalisch binden. Solche Speicher arbeiten oft bei niedrigeren Drücken, sind aber je nach Material schwer und kostenintensiv.

Unterirdische Speicherung

Für große saisonale Energiemengen kommen Salzkavernen und andere geeignete geologische Formationen infrage. Standort, Dichtheit und Genehmigung sind entscheidend.

Chemische Wasserstoffträger

Wasserstoff kann in Stoffen wie Ammoniak, Methanol oder flüssigen organischen Wasserstoffträgern gebunden werden. Vor der Nutzung muss er häufig wieder abgespalten oder direkt weiterverarbeitet werden.

Speicherverluste

Verdichtung, Verflüssigung, Umwandlung und Rückgewinnung benötigen Energie. Deshalb sollte das Speicherverfahren passend zu Dauer, Menge, Entfernung und Anwendung gewählt werden.

Transport: Pipeline, Trailer und Schiff

Wasserstoff-Pipeline

Pipelines eignen sich besonders für kontinuierliche, große Mengen zwischen festen Standorten. Bestehende Erdgasleitungen können teilweise umgerüstet werden, müssen jedoch auf Materialverträglichkeit, Dichtheit und Betriebsdruck geprüft werden.

Gasförmiger Trailer

Bei einem Tube-Trailer wird komprimierter Wasserstoff auf der Straße transportiert. Diese Lösung ist flexibel und für kleinere bis mittlere Mengen oder den Aufbau neuer Märkte geeignet.

Flüssigwasserstoff-Trailer

Verflüssigter Wasserstoff kann in isolierten Tankfahrzeugen transportiert werden. Pro Fahrt lässt sich mehr Wasserstoff bewegen als gasförmig, allerdings ist die Verflüssigung energieintensiv.

Transport per Schiff

Für internationale Lieferketten kommen Flüssigwasserstoff, Ammoniak, Methanol oder andere Wasserstoffträger infrage. Die Wahl hängt von Entfernung, Infrastruktur, Sicherheitskonzept und späterer Nutzung ab.

Brennstoffzellen

Eine Brennstoffzelle wandelt die chemische Energie von Wasserstoff elektrochemisch in Strom und Wärme um. Als Reaktionsprodukt entsteht bei reinem Wasserstoff hauptsächlich Wasser.

PEM-Brennstoffzelle

Die Protonenaustauschmembran-Brennstoffzelle arbeitet bei relativ niedrigen Temperaturen, reagiert schnell und wird häufig in Fahrzeugen, mobilen Anwendungen und Notstromsystemen eingesetzt.

Festoxid-Brennstoffzelle

Die SOFC arbeitet bei hohen Temperaturen und kann neben Wasserstoff teilweise auch andere Brennstoffe nutzen. Sie eignet sich besonders für stationäre Anwendungen und Kraft-Wärme-Kopplung.

Stack

Ein Brennstoffzellen-Stack besteht aus mehreren Einzelzellen. Die gewünschte Spannung und Leistung entstehen durch deren elektrische Verschaltung.

Systemwirkungsgrad

Zum Brennstoffzellensystem gehören Luftversorgung, Kühlung, Leistungselektronik und Steuerung. Daher liegt der Gesamtwirkungsgrad unter dem theoretischen Zellwirkungsgrad.

Elektrolyse

Bei der Wasserelektrolyse wird Wasser mithilfe elektrischer Energie in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten.

Alkalische Elektrolyse

Ein seit Jahrzehnten eingesetztes Verfahren mit flüssigem alkalischem Elektrolyten. Es gilt als robust und eignet sich besonders für größere, kontinuierlich betriebene Anlagen.

PEM-Elektrolyse

Die PEM-Elektrolyse reagiert schnell auf schwankende Stromangebote und kann kompakt gebaut werden. Sie benötigt jedoch hochwertige Materialien und Katalysatoren.

Hochtemperatur-Elektrolyse

Hier wird ein Teil der benötigten Energie als Wärme zugeführt. Bei verfügbarer Prozesswärme kann der elektrische Energiebedarf sinken.

Elektrolyseur

Der Elektrolyseur ist das technische Gesamtsystem aus Zellstapel, Wasseraufbereitung, Gasreinigung, Kühlung, Stromversorgung und Steuerung.

Photokatalyse

Photokatalytische Verfahren nutzen Licht und geeignete Halbleiter- oder Katalysatormaterialien, um chemische Reaktionen anzuregen. Ziel ist unter anderem die direkte Erzeugung von Wasserstoff aus Wasser.

Photokatalysator

Ein Photokatalysator absorbiert Licht und erzeugt angeregte Ladungsträger. Diese können Redoxreaktionen an der Materialoberfläche ermöglichen, ohne dass der Katalysator dabei dauerhaft verbraucht wird.

Wasserspaltung

Bei der photokatalytischen Wasserspaltung sollen Wasserstoff und Sauerstoff direkt aus Wasser entstehen. Entscheidend sind Lichtausbeute, Materialstabilität, Reaktionsgeschwindigkeit und sichere Gastrennung.

Solare Wasserstofferzeugung

Wird Sonnenlicht unmittelbar für die Reaktion genutzt, kann die Zahl der Umwandlungsschritte gegenüber Photovoltaik plus Elektrolyse reduziert werden. Die technische Umsetzung befindet sich je nach Verfahren in unterschiedlichen Entwicklungsstadien.

Photokatalyse der The Hydrogen AG

Die The Hydrogen AG entwickelt ein photokatalytisches Verfahren zur CO₂-neutralen Wasserstofferzeugung. Dies bei einem STH (Sun to Hydrogen) von über 15 %.

Wirkungsgrad und Energieverluste

Wirkungsgrad

Der Wirkungsgrad beschreibt das Verhältnis von nutzbarer Ausgangsenergie zur eingesetzten Energie. Ein Wirkungsgrad von 70 % bedeutet, dass 70 % der eingesetzten Energie nutzbar werden.

Elektrischer Wirkungsgrad

Er betrachtet nur die erzeugte elektrische Energie. Bei Brennstoffzellen kann zusätzlich nutzbare Wärme entstehen, die den Gesamtwirkungsgrad erhöht.

Gesamtwirkungsgrad

Der Gesamtwirkungsgrad berücksichtigt neben der Hauptanlage auch Verdichtung, Kühlung, Speicherung, Transport, Umwandlung und Nebenaggregate.

Round-Trip-Wirkungsgrad

Dieser Wert beschreibt die gesamte Kette von Strom zu Wasserstoff und zurück zu Strom. Jeder Umwandlungsschritt verursacht Verluste, weshalb direkte Elektrifizierung oft effizienter ist, sofern sie technisch möglich ist.

Anwendungen von Wasserstoff

Industrie

Wasserstoff wird unter anderem in Raffinerien, der Chemieindustrie, bei der Ammoniakherstellung und künftig verstärkt zur klimafreundlicheren Stahlproduktion eingesetzt.

Energiespeicherung

Überschüssiger erneuerbarer Strom kann in Wasserstoff umgewandelt und später stofflich oder energetisch genutzt werden. Besonders relevant ist dies für Langzeit- und Saisonalspeicherung.

Mobilität

Brennstoffzellenfahrzeuge können insbesondere bei hohen Reichweiten, kurzen Betankungszeiten und schweren Nutzfahrzeugen Vorteile bieten. Wirtschaftlichkeit und Klimabilanz hängen von Erzeugung und Infrastruktur ab.

Strom- und Wärmeversorgung

Brennstoffzellen und wasserstofffähige Kraftwerke können Strom und Wärme bereitstellen. Mögliche Einsatzfelder sind Notstrom, dezentrale Versorgung, Kraft-Wärme-Kopplung und Spitzenlastabdeckung.

Schifffahrt und Luftfahrt

Direkter Wasserstoff sowie Folgeprodukte wie Ammoniak, Methanol oder synthetische Kraftstoffe gelten als mögliche Bausteine für emissionsärmere Antriebe.

Synthetische Kraftstoffe

Wasserstoff kann mit CO₂ zu E-Fuels und chemischen Grundstoffen weiterverarbeitet werden. Dafür werden zusätzliche Energie und geeignete Kohlenstoffquellen benötigt.

CO₂-Zertifikate, RFNBO und THG-Quote

Diese drei Begriffe werden im Zusammenhang mit klimafreundlichem Wasserstoff häufig gemeinsam genannt, beschreiben jedoch unterschiedliche Systeme. CO₂-Zertifikate bepreisen Emissionen, RFNBO ist eine regulatorische Kraftstoff- und Nachhaltigkeitsklassifizierung, und die THG-Quote verpflichtet Kraftstoffanbieter zur Minderung der Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor.

CO₂-Zertifikate und Emissionshandel

Ein CO₂-Zertifikat beziehungsweise eine Emissionsberechtigung steht grundsätzlich für das Recht, eine bestimmte Menge Treibhausgas auszustoßen. Im europäischen Emissionshandel entspricht eine Emissionsberechtigung regelmäßig einer Tonne CO₂-Äquivalent. Verpflichtete Unternehmen müssen für ihre berichtspflichtigen Emissionen eine entsprechende Anzahl an Berechtigungen abgeben.

Die Berechtigungen werden je nach System versteigert, teilweise kostenlos zugeteilt und anschließend gehandelt. Wer weniger emittiert, benötigt weniger Zertifikate; wer mehr emittiert, muss zusätzliche Zertifikate erwerben. Die insgesamt verfügbare Menge wird politisch begrenzt und schrittweise reduziert. Dadurch entsteht ein CO₂-Preis und ein wirtschaftlicher Anreiz zur Emissionsminderung.

Zusammenhang zwischen CO₂-Zertifikaten und Wasserstoff

Wasserstoff erhält nicht automatisch eigene CO₂-Zertifikate. Relevant ist vielmehr, ob seine Herstellung oder Nutzung Emissionen verursacht oder fossile Prozesse ersetzt. Anlagen zur Herstellung von fossilbasiertem Wasserstoff können je nach Anwendungsbereich dem Emissionshandel unterliegen und müssen für ihre erfassten Emissionen Berechtigungen abgeben.

CO₂-armer oder erneuerbarer Wasserstoff kann den Zertifikatebedarf eines Unternehmens verringern, wenn dadurch tatsächlich emissionsintensive Brennstoffe oder Produktionsverfahren ersetzt werden. Der wirtschaftliche Vorteil entsteht dann aus vermiedenen Emissionen und vermiedenen Zertifikatskosten, nicht aus einer automatischen Zuteilung handelbarer CO₂-Zertifikate an den Wasserstoffproduzenten.

RFNBO

RFNBO steht für Renewable Fuels of Non-Biological Origin, auf Deutsch „erneuerbare Kraftstoffe nicht biogenen Ursprungs“. Dazu kann erneuerbarer Wasserstoff gehören, wenn er die europäischen Anforderungen an die eingesetzte erneuerbare Energie und an die Treibhausgasminderung erfüllt.

Bei netzgekoppelter Herstellung sind insbesondere die Regeln zur Zusätzlichkeit sowie zur zeitlichen und geografischen Korrelation der erneuerbaren Stromerzeugung zu beachten. Zusätzlich muss die Treibhausgasminderung über den gesamten Lebenszyklus grundsätzlich mindestens 70 Prozent gegenüber dem maßgeblichen fossilen Vergleichswert betragen. Berücksichtigt werden dabei unter anderem Strombereitstellung, Herstellung, Verarbeitung und Transport.

Wie wird RFNBO-Wasserstoff anerkannt?

RFNBO ist kein frei handelbares CO₂-Zertifikat, sondern eine nachzuweisende Produkteigenschaft. Der Produzent muss Herkunft, Strombezug, Produktionszeitpunkte, Standorte, Stoff- und Energiemengen sowie die Lebenszyklus-Emissionen dokumentieren. Die Einhaltung wird über anerkannte Zertifizierungssysteme und unabhängige Prüfstellen kontrolliert.

Nach erfolgreicher Prüfung können für konkrete Mengen Nachhaltigkeits- beziehungsweise RFNBO-Nachweise ausgestellt und entlang der Lieferkette weitergegeben werden. Voraussetzung ist eine nachvollziehbare Massenbilanz, damit dieselbe erneuerbare Eigenschaft nicht mehrfach beansprucht wird. Auch außerhalb der EU hergestellter Wasserstoff kann anerkannt werden, wenn die europäischen Kriterien erfüllt und ordnungsgemäß zertifiziert werden.

THG-Quote

Die Treibhausgasminderungsquote verpflichtet Unternehmen, die fossile Otto- oder Dieselkraftstoffe in Deutschland in Verkehr bringen, die durchschnittlichen Treibhausgasemissionen ihrer Kraftstoffe um einen gesetzlich festgelegten Anteil zu senken. Die Verpflichtung wird nicht allein durch eine physische Beimischung erfüllt. Zulässig sind verschiedene gesetzlich anrechenbare Erfüllungsoptionen.

Zu diesen Optionen können nachhaltige Biokraftstoffe, erneuerbarer Strom im Straßenverkehr und unter den gesetzlichen Voraussetzungen auch RFNBO-Kraftstoffe wie erneuerbarer Wasserstoff oder daraus hergestellte synthetische Kraftstoffe gehören.

Wie entsteht eine THG-Minderungsmenge aus Wasserstoff?

Zunächst muss nachgewiesen werden, dass der Wasserstoff beziehungsweise der daraus hergestellte Kraftstoff die gesetzlichen Kriterien erfüllt und im anrechenbaren Verkehrsbereich verwendet oder in Verkehr gebracht wurde. Anschließend wird die Treibhausgasminderung gegenüber dem maßgeblichen fossilen Vergleichswert berechnet. Das Ergebnis wird üblicherweise als eingesparte Menge in Kilogramm CO₂-Äquivalent ausgewiesen.

RFNBOs können nach den deutschen Quotenregelungen besonders gewichtet werden. Die konkrete Anrechnung setzt eine ordnungsgemäße Dokumentation, Zertifizierung und Meldung an die zuständigen Stellen voraus. Für die Anrechnung strombasierter Kraftstoffe ist insbesondere die Biokraftstoffquotenstelle beim Hauptzollamt Frankfurt (Oder) zuständig; das Umweltbundesamt wirkt beim Nachweis- und Zertifizierungssystem mit.

Handel mit THG-Minderungsleistungen

Ein quotenverpflichtetes Mineralölunternehmen kann die Quote durch eigene anrechenbare Mengen erfüllen oder sich die Erfüllungsleistung eines anderen Unternehmens vertraglich zurechnen lassen. Gegenstand des Quotenhandels ist die nachgewiesene Treibhausgasminderung in Kilogramm CO₂-Äquivalent, nicht ein klassisches Emissionszertifikat.

Die Minderungsleistung darf nur einmal verwendet werden. Ein Weiterverkauf bereits im Quotenhandel erworbener Mengen ist grundsätzlich nicht vorgesehen. Wird die Quote nicht erfüllt, fällt für die Fehlmenge eine gesetzliche Ausgleichsabgabe an. Eine Übererfüllung kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen auf das Folgejahr übertragen werden.

Der wichtigste Unterschied

  • CO₂-Zertifikat: handelbares Recht zur Emission innerhalb eines Emissionshandelssystems.
  • RFNBO: zertifizierte regulatorische Eigenschaft eines erneuerbaren Kraftstoffs.
  • THG-Quote: gesetzliche Minderungsverpflichtung für Kraftstoffanbieter im Verkehrssektor.

RFNBO-Wasserstoff kann eine anrechenbare THG-Minderung erzeugen, wenn alle gesetzlichen Anforderungen und Verwendungsbedingungen erfüllt sind. Diese THG-Minderungsleistung kann wirtschaftlich verwertet werden. Sie ist jedoch weder mit einer RFNBO-Zertifizierung noch mit einem CO₂-Zertifikat identisch.

Vereinfachtes Beispiel: Ein Produzent stellt erneuerbaren Wasserstoff her und weist durch Zertifizierung nach, dass die RFNBO-Kriterien erfüllt sind. Wird dieser Wasserstoff in einem anrechenbaren Verkehrsfall eingesetzt, kann aus der gegenüber dem fossilen Vergleichswert erzielten Einsparung eine THG-Minderungsleistung entstehen. Ein quotenverpflichtetes Kraftstoffunternehmen kann diese Leistung vertraglich zur Erfüllung seiner THG-Quote nutzen. Unabhängig davon kann ein Industrieunternehmen durch den Einsatz des Wasserstoffs seinen Bedarf an Emissionsberechtigungen verringern, sofern tatsächlich emissionshandelspflichtige Emissionen vermieden werden.
Hinweis: Die genaue Anerkennung hängt vom Herstellungsverfahren, der Stromquelle, Zertifizierung, Lieferkette, Endverwendung und der jeweils geltenden Rechtslage ab. Eine bloße Bezeichnung als „grün“ oder „CO₂-neutral“ genügt für RFNBO- oder THG-Quotenansprüche nicht.

Häufige Fragen zu Wasserstoff

Ist Wasserstoff selbst eine Energiequelle?

Wasserstoff ist in den meisten Anwendungen ein Energieträger. Er muss zunächst hergestellt, gespeichert und transportiert werden. Seine Klimawirkung hängt deshalb stark vom Herstellungsweg ab.

Welche Wasserstofffarbe ist am klimafreundlichsten?

Entscheidend ist nicht allein die Farbbezeichnung, sondern die vollständige Emissionsbilanz. Erneuerbar erzeugter grüner Wasserstoff und andere nachweislich sehr emissionsarme Verfahren können besonders klimafreundlich sein.

Warum wird Wasserstoff unter hohem Druck gespeichert?

Gasförmiger Wasserstoff besitzt eine geringe Dichte. Durch Verdichtung kann mehr Wasserstoff in einem begrenzten Behältervolumen gespeichert und transportiert werden.

Kann Wasserstoff durch bestehende Erdgasleitungen transportiert werden?

Teilweise ja. Leitungen, Verdichter, Armaturen und Messsysteme müssen jedoch technisch geprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Materialversprödung und höhere Leckageanforderungen sind wichtige Themen.

Was ist der Unterschied zwischen Elektrolyse und Photokatalyse?

Bei der Elektrolyse treibt elektrischer Strom die Wasserspaltung an. Bei der Photokatalyse wird Licht direkt von einem Katalysatormaterial aufgenommen, um die chemische Reaktion zu ermöglichen.

Ist eine Brennstoffzelle dasselbe wie eine Batterie?

Nein. Eine Batterie speichert ihre Reaktionsstoffe im Inneren. Eine Brennstoffzelle erzeugt Strom, solange Wasserstoff und Sauerstoff beziehungsweise Luft kontinuierlich zugeführt werden.

Wo ist Wasserstoff besonders sinnvoll?

Besonders relevant ist Wasserstoff dort, wo direkte Elektrifizierung schwierig ist, etwa bei bestimmten Industrieprozessen, saisonaler Energiespeicherung, Schwerlastverkehr oder der Herstellung synthetischer Energieträger.

Ist Wasserstoff gefährlich?

Wasserstoff ist brennbar und muss sicher gehandhabt werden. Mit geeigneter Technik, Belüftung, Sensorik, Werkstoffauswahl und verbindlichen Sicherheitsregeln ist ein kontrollierter Betrieb möglich.

Ist RFNBO dasselbe wie grüner Wasserstoff?

RFNBO ist eine rechtlich definierte und nachzuweisende Kategorie. Nicht jede allgemein als „grün“ bezeichnete Wasserstoffmenge erfüllt automatisch die RFNBO-Kriterien zu erneuerbarem Strom, Zusätzlichkeit, zeitlicher und geografischer Korrelation sowie Lebenszyklus-Emissionen.

Erhält grüner Wasserstoff automatisch THG-Quoten?

Nein. Eine THG-Anrechnung setzt voraus, dass die konkrete Wasserstoffmenge die gesetzlichen Nachhaltigkeits- und Nachweiskriterien erfüllt und in einem anrechenbaren Verkehrsfall eingesetzt oder in Verkehr gebracht wird.

Sind THG-Quoten und CO₂-Zertifikate dasselbe?

Nein. CO₂-Zertifikate sind Emissionsberechtigungen innerhalb eines Emissionshandelssystems. Die THG-Quote ist eine Minderungsverpflichtung im Verkehrssektor, deren Erfüllungsleistungen vertraglich übertragen werden können.

Hinweis: Farbbezeichnungen für Wasserstoff sind nicht in allen Fällen einheitlich oder rechtlich normiert. Für eine sachgerechte Bewertung sollten stets Herstellungsverfahren, Energiequelle, Rohstoffe und die gesamte Treibhausgasbilanz betrachtet werden.